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Sebastião Salgado

Mein Land, unsere Erde

Erscheinungsdatum: 23.09.2019

Anavilhanas-Archipel, bestehend aus über 350 dicht bewaldeten Inseln im Rio Negro.  Staat Amazonas, Brasilien, 2009.  © Sebastião Salgado

Anavilhanas-Archipel, bestehend aus über 350 dicht bewaldeten Inseln im Rio Negro.
Staat Amazonas, Brasilien, 2009.
© Sebastião Salgado

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2019

»Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein 2019 an den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado und zeichnet mit ihm einen Bildkünstler aus, der mit seinen Fotografien soziale Gerechtigkeit und Frieden fordert und der weltweit geführten Debatte um Natur- und Klimaschutz Dringlichkeit verleiht. Zugleich hat Sebastião Salgado mit seinem ,Instituto Terra‘ eine Einrichtung geschaffen, die einen direkten Beitrag zur Wiederbelebung von Biodiversität und Ökosystemen leistet.

Mit seinem fotografischen Werk, das in zahlreichen Ausstellungen und Büchern veröffentlicht ist, nimmt er die durch Kriege oder Klimakatastrophen entwurzelten Menschen genauso in den Fokus wie jene, die traditionell in ihrer natürlichen Umwelt verwurzelt sind. Dadurch gelingt es Sebastião Salgado, Menschen weltweit für das Schicksal von Arbeitern und Migranten und für die Lebensbedingungen indigener Völker zu sensibilisieren.  

Indem der Fotograf seine aufrüttelnden, konsequent in schwarz-weiß gehaltenen Bilder als ,Hommage an die Größe der Natur‘ beschreibt und die geschändete Erde ebenso sichtbar macht wie ihre fragile Schönheit, gibt Sebastião Salgado uns die Chance, die Erde als das zu begreifen, was sie ist: als einen Lebensraum, der uns nicht allein gehört und den es unbedingt zu bewahren gilt.«

Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels

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Der Autor

Sebastião Salgado wurde 1944 in Aimorés, Brasilien, geboren, seit 1973 ist er Fotograf. Für seine Fotoreportagen bereiste Salgado über 120 Länder; zahlreiche Fotobände entstanden: Other Americas (1986), Workers – Arbeiter(1993), Terra (1997), Migranten und Kinder (beide 2000), Afrika (2007) und Genesis (2013). Sebastião Salgado wurde vielfach ausgezeichnet, seit den 1990ern arbeitet er mit seiner Frau Lélia an der Wiederaufforstung eines kleinen Teils des Atlantischen Regenwalds in Brasilien. 2019 erhält er als erster Fotograf den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.


Vorwort

Eine Fotografie von Sebastião Salgado zu betrachten heißt, die Würde eines Menschen zu spüren. Es heißt begreifen, was es bedeutet, eine Frau zu sein, ein_Mann, ein Kind. Wahrscheinlich ist das so, weil Sebastião für die Menschen, die er fotografiert, eine tiefe Liebe empfindet. Wie sonst könnten sie so präsent, lebendig und selbstbewusst in seinen Bildern sein? Und wie sonst könnte der Betrachter eine derartige Verbindung zu ihnen spüren? Sebastiãos Arbeiten bewegen mich schon lange: Mir gefällt die barocke Ästhetik seiner Bilder, das außergewöhnliche Licht, die Kraft, die von ihnen ausgeht, aber auch die Zärtlichkeit, die sie ausstrahlen und die das Beste in mir wachruft.

Durch einen glücklichen Zufall durfte ich Sebastião und Lélia, seine Frau, kennenlernen. Ein Paar, das mich verzaubert, denn hinter Sebastiãos internationalem Erfolg steht der einer Beziehung mit Seltenheitswert.

Eine Geschichte über die wahre Liebe und ein gemeinsames Arbeiten, bei dem jeder eine feste Rolle hat, seinen Platz, und weiß, was er dem anderen verdankt. Gemeinsam haben die beiden eine Familie und eine Agentur, »Amazonas Images«, gegründet und haben ein Umweltprojekt, das »Instituto Terra« ins Leben gerufen, um den Atlantischen Regenwald von Brasilien aufzuforsten. Das macht einen großen Teil ihrer Arbeit aus.

Ich habe festgestellt, dass Sebastiãos Bilder um die Welt gehen, seine persönliche Geschichte, die politischen, moralischen und existenziellen Wurzeln seines fotografischen Engagements aber kaum bekannt sind. Diesen Missstand wollte ich korrigieren und Sebastiãos Stimme durch mein journalistisches Schreiben Gehör verschaffen. Am Tag vor der Präsentation seines Projekts »Genesis« – einer Reportageserie über die noch unberührten Flecken unseres Planeten – war er so großzügig, diese Idee zu unterstützen. Er nahm sich die Zeit zwischen zwei Flugreisen, zwischen Reportagen, der Herstellung von zwei Bildbänden und den Vernissagen zu einer Ausstellung, die rund um die Welt gehen sollte. Mit entwaffnender Freundlichkeit und Natürlichkeit schilderte er mir seinen Lebensweg. Er legte seine Überzeugungen dar und teilte mir seine Gefühle mit. Ihm zuzuhören war mir eine große Freude, und es ist sein Erzähltalent, das ich hier sprechen lassen möchte: In ihm liegt die Authentizität eines Mannes, der gesellschaftliches Engagement und Professionalität, Talent und Großzügigkeit in sich vereint.

Isabelle Francq